Starportrait

Brett Favre - Quarterback
Geboren am 10.10.1969
Gedraftet: In der 2. Runde 1991 von den Atlanta Falcons
College: Southern Mississippi

 

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Sollte es ihn wirklich geben? Gibt es den intelligenten NFL Star, der das Wohl des Teams über den eigenen Geldbeutel stellt?

Es scheint so. Doch erzählen wir die Geschichte der Reihe nach.

Der Spieler des Jahres 1995 wurde 1991 von den Atlanta Falcons gedraftet. Als dritter Mann warf er in diesem Jahr 5 Pässe, davon waren schon 2 Interceptions.

Packers General Manager Ron Wolf wollte Favre 1991 draften. Damals bekleidete er diesen Posten noch bei den New York Jets. Aber die Falcons waren etwas schneller. Da Favre aber nicht der Spieler war, den Falcons Coach Jerry Glanville wollte, hatte er einen schweren stand in der Coca Cola Stadt. Glanville wollte Browning Nagle draften, der aber seinerseits nicht mehr zu haben war.

Als Wolf dann 1992 das erste Gespräch mit dem neuen Head Coach, Mike Holmgren hatte, ging es vor allem darum, ob man Favre holen sollte oder nicht? Zwei Wochen überlegte Holmgren sich die Sache. Dann sagte er: "Gebt ihnen unsere erste Wahl in der Draft für Favre."

Er war körperlich so gut drauf und er hatte diesen tollen Wurfarm, daß Holmgren sich diese Chance nicht entgehen lassen wollte. Seine Beweglichkeit und seine Härte waren weitere Pluspunkte, die für Favre sprachen. Was die Packers dann aber Live und in Farbe erlebten, ließ ihnen hören und sehen vergehen. Ein aufgeschrecktes Suppenhuhn wäre die Ruhe in Person gegen diesen Quarterback. Keine Spielübersicht, kopfloses herumrennen auf dem Platz, überhastetes Werfen des Balls, all das was einen Rookie Quarterback in der NFL beschreibt, nur noch viel schlimmer... das war Favre.

Dabei waren es noch nicht mal seine 13 Interceptions in der ersten Saison, die die Packers Fans verzweifeln ließen. Es waren die 24 in der zweiten Saison und die Art und Weise, wie sie zustande kamen. Immer und immer wieder wollte Favre den vollständigen P aß erzwingen. Dabei blieb er aber stets bei seinem hauptsächlichen Receiver. Nach den Alternativen suchte er erst gar nicht. Das wußten die Verteidiger natürlich, und so konnten auch sie sich auf das erste Ziel Favres konzentrieren. Immer und immer wieder schrie Holmgren auf seinen Quarterback ein, den Ball wenigstens ins Aus zu werfen in aussichtslosen Momenten. Immer und immer wieder geschah das gleiche.

Dann der schwache Start in die Saison 1994. Wie lange würde Holmgren noch Geduld haben. Die Fans in Green Bay hatten keine mehr. Sie wollten Mark Brunell, den talentierten jungen Ersatzmann, der auf seine Chance wartete. Doch Holmgren blieb unerschütterlich in seinem Vertrauen zu Favre. Niemand wußte warum. Wenn ein Quarterback schon so lausig ist, wenn ein Superstar wie Sterling Sharpe einer seiner Wide Receiver ist, was wäre dann, wenn dieser auch noch ausfiele?

Die Antwort kam spät in der Saison 1994. Sharpe erlitt eine Halsverletzung, die seine Karriere beendete. Doch irgendwie begann jetzt die Karriere des Brett Favre. Im achten Spiel der Saison warf er einen Interception gegen Minnesota. Es brachte ihnen den einzigen Touchdown in dem Spiel und den Sieg. Nach dieser Niederlage hatte Favre ein sehr langes Gespräch mit Steve Mariucci, dem Quarterbacks Coach. Hier wurde Favre wieder bewußt, was er eigentlich doch erreichen wollte. Einer der besten Spieler aller Zeiten wollte er werden. In einem Meisterteam wollte er spielen. Der Ärger darüber, weit von diesem Ziel entfernt zu sein, entfachte einen Funken in ihm. Die Bears bekamen seinen Ärger im folgenden Spiel zu spüren, das Green Bay mit 33:6 gewann.

Seit diesem Spiel bis zum Ende der Saison 1995 warf Favre in 25 Saisonspielen 62 Touchdownpässe und nur 20 Interceptions. 1994 waren das 363 Vervollständigungen bei 582 Pässen für 3.882 Yards, 33 Touchdowns und 14 Interceptions. Seine 38 Touchdownpässe von 1995 sind das drittbeste Ergebnis in der Geschichte der NFL.

Viele Journalisten schreiben diese Tatsache gerade dem Umstand zu, daß Sharpe auf einmal fehlte. Favre war jetzt gezwungen, auch mal nach dem zweiten und dritten freien Receiver zu suchen. Das Spiel der Packers wurde vielfältiger. Der Standardspielzug Favre auf Sharpe war nicht mehr im Spielbuch. Und alle, die dachten, daß jetzt nur noch die Defense das Team würde tragen können, sahen sich getäuscht. Die Offense wurde eine der besten der Liga.

Wenn Favre und die Packers jetzt noch den Cowboys Effekt abschütteln könnten. Immer wieder ist es dieses Team, an dem sie scheitern. So auch im Championship Game der Saison 1995. Wieder warf Favre einen spielentscheidenden Interception gegen Dallas.

Zugegeben, seine Entschuldigung klingt plausibel. Das Feld im Texas Stadion ist in der Mitte höher, als an den Seiten. Dadurch überwarf er seinen Receiver und der Ball wurde abgefangen. Aber Favre spielte ja nicht zum ersten Mal auf diesem Feld. Aber egal, wieder war Dallas das Schicksal. Favre beendete gegen die Cowboys das zweite Jahr seines Fünfjahresvertrags, der 19 Millionen wert war.

Schon gegen Ende der Saison 1995 begann er Vertragsverhandlungen mit den Packers, die ihm einen Lebenslangen Vertrag anbieten wollten. Doch Favre wollte nur einen neuen Vertrag, wenn er damit dem Team helfen könnte. "Was nutzt mir ein Vertrag, der mich unheimlich reich macht, der aber verhindert, daß wir andere gute Spieler verpflichten können?" sagte er dazu. "Wenn wir nicht genügend Geld übrig haben, um andere gute Spieler zu verpflichten nutzt mir der Vertrag nichts. Ich möchte in einem guten Team spielen. Ich möchte Meister werden. Ich mache diese Sache vor allen Dingen, um zu siegen"!

Nun hat er also gesiegt. Wie wird das seine zukünftigen Entscheidungen beeinflussen? Schon Stunden nach dem Super Bowl Gewinn der Packers über die Patriots begannen die Vertragsverhandlungen zwischen Favre und Green Bay. Stunden nach dem Triumph, der hart erarbeitet wurde. Die ganze Saison über gehörten die Packers zu den beständigen Teams der Liga. Favre führte das Team konstant und souverän zum Gewinn des Super Bowls XXXI. Nach der Saison 1995 wurde er damit zum zweiten Mal in Folge zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt... zurecht!

Zwar war er, wie auch 1995, nicht der beste Quarterback der Liga, aber das ändert nichts an der Rechtmäßigkeit dieser Wahl. Aus 325 Vervollständigten Pässen erzielte er 39 Touchdowns. Und das Alles praktisch ohne etatmäßigen Receiver. Nach und nach fielen seine Anspielstationen verletzungsbedingt aus. Man mußte gegen Ende der Saison sogar Andre Rison verpflichten und Don Bebe als Wide Receiver einsetzen, weil sonst gar keiner mehr da gewesen wäre.

Aber Favre focht das nicht an. Er, der gerade erst von einer Schmerzmittelsucht genesen war, stellte sich unerschütterlich mitten in das Getümmel. Er nahm Hit für Hit und warf nur 13 Interceptions. Und in den Playoffs traf man nicht auf Dallas. Der Super Bowl Sieg für Green Bay, genau 30 Jahre nach dem ersten Gewinn durch die Packers, geht zu einem großen Teil auf Favres Konto.

Ebenso das Erreichen des Finales in der Saison 1997. Wieder wurde Favre zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt, diesmal allerdings mußte er sich diesen Titel mit Barry Sanders von den Lions teilen.

Zwar landete er in den Statistiken wieder weit hinter Steve Young, ja sogar noch hinter Chris Chandler von den Falcons, aber die beiden brachten ihre Teams nicht in den Super Bowl.

304 seiner 513 Pässe kamen an. Das waren zwar nur 59,3%, die brachten aber 3.867 Yards und 35 Touchdowns. Immerhin warf Favre den Ball 16 mal in die Hände der gegnerischen Verteidiger. Das ist schon eine stolze Zahl.

Auch wenn am Ende der Saison wieder der Pro Bowl stand, wo dieses Bild unseres Fotografen Frank Starke entstand, tat die Niederlage im Super Bowl doch weh. Ausgerechnet das Team, das eine ungeschlagene Saison ablegen wollte, scheiterte nach 13 Jahren erstmals wieder am Vertreter der AFC. Dabei gewann Favre das Statistikrennen gegen seinen Kontrahenten John Elway ganz locker. Am Ende aber zählen doch nur die Punkte auf der Anzeigetafel und die sprachen gegen Favre und seine Packers.

1998 führte Favre die NFL mit 347 Vervollständigten Pässen an. Desgleichen führte er mit 4.212 Yards. Wieder startete er in allen 16 Spielen und markierte damit die sechste Saison in Folge in der er das auf der doch verletzungsanfälligen Position des Quarterbacks schaffte.

11 dieser 16 Spiele konnten die Packers gewinnen und Favre führte das Team ins Wild Card Spiel, wo der Lieblingsgegner aus San Francisco wartete. Dieses Mal jedoch endete die Auseinandersetzung unerwarteterweise mit einem Sieg für die 49ers.

In der Saison 1999 startete er erneut in allen 16 Spielen und warf den Ball 595 mal, was seine persönliche Bestmarke darstellt. Davon trafen 341 Pässe für 4.091 Yards die eigenen Receiver. Leider landeten 23 seiner Pässe bei den gegnerischen Verteidigern. Dem standen nur 21 Touchdowns gegenüber. Allerdings sei zu seiner Verteidigung erwähnt, daß er den Großteil der Saison mit einem verstauchten Daumen an der Wurfhand bestritt.

Triviale Frage: In wievielen Spielen startete Brett Favre in der Saison 2000? Richtige Antwort: In 16 - zum achten Mal in Folge.

338 seiner 580 Pässe fanden ihre Receiver für 3.812 Yards. Mit einem gesunden Daumen warf er auch nur 16 Interceptions bei 20 Touchdowns.

Doch zum zweiten Mal in Folge brachte Favre Green Bay nicht in die Playoffs.

Das änderte sich 2001. In 16 Starts wurde Brett Favre der erste Spieler der NFL, der in 10 aufeinanderfolgenden Saisons die 3.000 Yards Grenze übertraf. Mi 3.921 Yards aus 314 Vervollständigungen bei 510 Versuchen verpasste er hierbei die 4.000er Grenze nur knapp.

32 Touchdowns stellten einen weiteren NFL Rekord dar. Zum sechsten mal in seiner Karriere beendete Favre die Saison mit mehr als 30 Touchdowns. Nur er und Dan Marino (4x) haben es öfter als 2 mal geschafft in einer Saison über 30 Touchdowns zu werfen.

In den Playoffs warteten wieder die 49ers im Wild Card Spiel auf die Packers. Dieses Mal gab es den gewohnten Sieg der Packers. Die Hürde St. Louis Rams erwies sich allerdings für die Green Brett Favres als zu hoch.

Favre wurde zum sechsten Mal in den Pro Bowl gewählt, mußte aber wegen Rückenproblemen absagen.

Und das Wunder an Zuverlässigkeit spielt und spielt und spielte weiter.

Im Jahr 2002 zum zehnten Mal in Folge startet Brett Favre in 16 von 16 regulären Saisonspielen. Hierbei traf er seine Receiver 341 mal bei 551 Versuchen für 3.658 Yards, 27 Touchdowns und 16 Interceptions.

Am Ende des Jahres stand die siebte Pro Bowl Nominierung, wieder aber mußte er verletzt absagen.

Zum dritten Mal wurde er zum wertvollsten Spieler einer NFL gewählt, das hatte vor ihm noch keiner geschafft.

Auch in der Saison 2003 stand er in 16 von 16 regulären Saisonspielen als Starter auf dem Platz, trotz eines angebrochenen Daumens an der Wurfhand. Diese Verletzung behinderte ihn einen Großteil der Saison, war aber kein Grund, die Packers nicht in die Playoffs zu führen.

308 seiner 471 Pässe fanden ihre Receiver in der Saison für 3.361 Yards, 32 Touchdowns und 21 Interceptions.

Drei Spieltage vor dem Ende der Saison starb Favres Vater bei einem Autounfall, ausgelöst durch einen Herzinfarkt. Dennoch nahm Favre all seine Konzentration und legte sie auf das Team und das Erreichen der Playoffs, was nicht leicht fällt, wenn die Beerdigung eines geliebten Menschen an Heiligabend stattfindet.

Die Playoffs wurden mehr durch das Versagen der Vikings, als durch eigene Kraft erreicht, aber was zählt ist letztlich nur das Weiterkommen.

Das Aus kam in der zweiten Runde der Playoffs in einem hochdramatischen Krimi in Philadelphia. Hier warf Favre einen Paß in der Verlängerung zu einem völlig freistehenden Verteidiger der Eagles und die Saison war beendet. Allerdings endete sie mit einem weiteren Rekord für Favre, denn er hatte jetzt inklusive Playoffs in 218 Spielen in Folge als Starter auf dem Feld gestanden (189 für reguläre Saisonspiele). Wieder wurde er auch in den Pro Bowl berufen, wieder mußter er aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Nach der Saison 2003 ließ er es offen, ob es das für ihn hätte gewesen sein können, aber er selbst glaubte nicht sorecht daran Abschied vom Football zu nehmen

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